December 4, 2019

Volles Bild, auch mal mit Leere voll. Fülle mit Leere. Wie Weile mit Eile. Kunst.

Haben wir ein Sensorium für die Fülle in Leerstellen? So: „Fast eine Verzückung wie im Zustand der Leere.“ Yasunari Kawabata 

November 28, 2019

Daibutsu, sitzender Buddha. Wurde 1252 erstellt und geriet in einem Tsunami 1492 ins Freie, weil der Tempel, in dem er stand, weggeschwemmt wurde. Die gigantische Bronze-Figur ist 13,35 m hoch und betretbar. Fenster im Rücken bieten Licht und frische Luft. 

Was mich indes draussen fesselte, war, im Betrachten einen Blickwinkel zu finden, in dem der Kopf hinter dem Rücken verschwindet. An dessen Stelle steht mittags das Strahlen .

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Hals, Ansicht innen – die Konstruktion.

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Sonnenhöchststand über Mittag. Unter der Krempe entkommt nur die Nase, den Rest flutet der Schatten. (Kamakura, Japan)

November 27, 2019

Blind sehend, taub hörend. Wenn alles aufeinander passt, ohne dass ein Plan die Konstellation herbei geführt hätte. So ist sie eben, die Vorstellung – sie macht, was sie will. 

November 25, 2019

Ein Bild untersuchen: Zwischen zwei entfernten Phänomenen eine Verbindung spüren – und ihr Ausdruck verschaffen. Sonst fällt der Suchende in die Kerbe dazwischen. Er findet auch auf diesem Bild ein Thema: Zwei, die sich verbinden. Kugellampen, Beine, Männer, Ornament-Kreuz-Balken, Richtungen: immer 2.

November 16, 2019

Erster Schnee, in Farben festgehalten. Farben. Das Bild ist eine Augenweide: Flüchtiges, in Dauer gewandelt. (Wie Kunst, irgendwie.) 

Wenns auch Kälte zeigt: "Verweile doch, du bist so schön." JWvGoethe  

Darf nicht bleiben, muss vergehen. Soll nicht kleben, kann verwehen. Es kommt. Es bleibt. Es geht.

Das Leben. 

November 8, 2019

Eine Mutter besucht ihre Ahnen in der Vitrine. Alles ähnelt sich: Posen, Kleidung, Haarpracht. Gegenwart liegt und lebt im Vergangenen, Vergangenes in der Gegenwart.

Die Zeit ist eine Spirale; sie bewegt sich voran und geht doch im Kreis.  

(Museum of Nature and Science, Tokyo).

November 7, 2019

Pause bei Bier vom Aufsteigen am Berg. In der Luftblase gespiegelt ist zu sehen, was drin keinen Platz findet. Mal scharf, mal nicht. Marco, in der Bierblase drin, verzeihe mir die ungefragte Publikation hinter dem Filter.

November 2, 2019

Hier kommt eine kleine Geschichte, die das unscharfe Bild zum Geschmier macht. Besser, umgekehrt: die dem Geschmier Form und Bedeutung verschafft. Geschmier ist ein schwierig einzusetzendes Wort, das einerseits genau das beschreibt, was es ist, nämlich das Ungewollte, Ungeformte. Das aber andererseits ebenso klar das meint, was am Anfang allen Formwillens steht und daher unabdingbar notwendig ist, will man nicht auf Geplantes, auf bereits Vorgegebenes (und demnach nicht explizit und spezifisch Erarbeitetes) greifen. Wenigen würde es wohl einfallen, zu betonen, dass am Anfang eines Leonardo-da-Vinci-Gemäldes unbeabsichtigtes, planloses "Geschmier" steht. Dennoch kann es genau da stehen, am Anfang. Die Grösse darin erkannte Leonardo selber, und er musste sie aus dem Geschmier heraus holen und sichtbar machen. („Achte diese Meinung nicht gering, in der ich dir rate, ... manchmal stehen zu bleiben und auf die Mauerflecken hinzusehen oder...

October 31, 2019

Was fliesst, formt. 

(Selfie am Urinal in der Kunsthalle Bern)

Wer hat hier, im Pissoir in Berns Kunsthalle, nicht schon gepinkelt ... namhafte Künstler, bedeutende Kuratoren, wichtige Sammler; alle haben sie sich gespiegelt in der Spülwasserleitung. Frauen: keine. Nicht nur die Grösse mass sich am Geschlecht ...

Und doch gab es sie, und auch sie haben ihre Reliquien und Fetische:

"„... das heisst sie hat als neunjähriges Mädchen genau diese Tasten berührt; das finde ich berührend. Und es ist genau der Flügel, der auf dem Hundertmarkschein abgebildet war auf der Rückseite.“   Aus einem Film über Clara Schumann

October 27, 2019

Rondine ist: die "Schwalbe". Noch besser wäre Rondo; dreht Runden wie die Schwalbe. Rondo. Runde.

Art unlimited ist: die Kunstwelt, ein geschlossener Zirkel, dreht sich im Kreis im Kreis.

Die Art Unlimited ist zwar lange vorüber, und doch ist sie noch da, sie dreht nur woanders paar Runden. Und kommt bald wieder. 

(The Sun – Kunstwerk von Ugo Rondinone. Nomen est omen?)