March 29, 2017

"Vereinfachungen wirken entlastend. Man glaubt, die Welt wieder zu verstehen."  Peter Sloterdijk

Etwa die brennende Kerze hier, um neunzig Grad gedreht. Es stellt sich das von P.S. Gesagte ein, jedoch auch sein pures Gegenteil: Durch das Abdrehen wird die Vereinfachung zwar eintreten (ich glaube, dass jeder Betrachter die Kerze hier als Gesicht liest), jedoch auch das pure Gegenteil: Als Kerze wird die Kerze durch den leichten und einfachen Eingriff unkenntlich gemacht. Kann man diesen Akt "populistisch" vereinfachend nennen?

Ein brennender Docht ist nicht zu erkennen, zu tief sitzt er im Wachs. Wohl aber ist zu sehen, dass die Kerze keine Wand beleuchtet, tief genug ist das reine Schwarz der Nacht. 

March 28, 2017

"Alle halbwegs grossen Schneckenhäuser geben einen guten Resonanzboden ab ..."

Brehms Tierleben

Sie strafen ihre Sprichwörtlichkeit Lügen – dass sie sich nämlich in sich selber beschränken. 
In halbwegs grossen Schneckenhäusern also hören wir die Welt. Und in halbwegs grossen Bildern sehen wir sie.  

Ein Bild kann sich zwar in sich selber verbergen. Wo es, hinter Glas etwa, die Welt auch spiegelt, macht es sie sichtbar, indem es sich zurück nimmt. Daher könnten wir das Glas entspiegelt wählen. Tun wir dies nicht, macht es Räume auf (dies insbesondere, wenn die gespiegelte Welt in Licht badet). 

Wir sehen hier also eine Welt als Bild, das einer Galeriewelt Raum verschafft, in der es Resonanzboden sein kann. Schneckenhaus. Noch bis 1.4.17

(Das ist ein rätselhafter Text, der sich im Kreis dreht, der sich an sich selber spiegelt; ein Schneckenhaus wohl.)

March 27, 2017

"Es liessen die Vorgänge, nachdem sie über Mass und Ziel geschlagen, nun zurückflutend Leere hinter sich." Heimito von Doderer

So etwa den aufrechtenösterlichen Gang mit Fun-Insignien durchs Museum zu der grossen Visualisierung von Überbordung und Volltrauer.

March 26, 2017

"Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt doch, wenn es plötzlich dunkel ist."

Franz Kafka

Bessere Zeiten soll man erkämpfen wollen, nicht erhoffen. Hoffen ist frommer Wunsch. Hoffen krümmt. Hoffen ist nicht scharf genug. Hoffen macht nicht den ersten Schritt. Hoffen bleibt stehen. Hoffen hat wenig Farbe. 

March 25, 2017

Die aufgereihten Museumsbesucher (in Riehen bei Beyeler) widmen sich der Lektüre. Sie sitzen in der Ausstellung bei Roni Horn (deren Reflektionen auf Glaskörpern teilweise so flüchtig sind, dass ich zu meinem Art'n'Public Projekt für eine brauchbare Aufnahme nicht schnell genug war). Meine langsame "Lektüre" hier sind die Lesenden, die sich derart an der Scheibe spiegeln, dass sie nicht nur drinnen sitzen, sondern auch draussen im Schatten an der Mauer zu sein scheinen.

March 23, 2017

"Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, 
weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschliesst."   Bertold Brecht

Der Baum hier hat eine Höhe über Boden von 5 cm und eine Länge von vielleicht 20. Er ist fast flach, aber er kommt durchs Leben. Im Winter ächzt er unter Schneemengen, der Sommer ist kurz und durchzogen von frostigen Winden. Iceland halt. Der Baum hier ist einer meiner grossen kleinen Helden. Ich kann kaum genug bekommen von ihm.

March 22, 2017

Agnes Martin show, Guggenheim Museum.

March 21, 2017

Ganz genau hundert Jahre nach seiner Zeugung: Ausruhen im Ernst, Ernst im Ausruhen. Letztes Bild immer schaffender Hände.

(Mit Ernst lassen sich schalkvolle Wortspiele vollbringen – nicht nur bei Oscar Wilde. Sind sie aber dem Tod meines Vaters angemessen? Ja, er legt die Hände aufeinander und schliesst einen Kreis. Er HANDelte  gelassen, er ruht nun aus und dringt (drängt nicht) konfliktfrei in das Ewige vor.

Ruhe für immer, Ernst Haag, 2.12.1917 - 26.2.2017)

March 20, 2017

(Giacometti lesen)

March 20, 2017

... bei Rembrandt

"Was erreichbar ist, ist es nicht." Franz Dodel