October 30, 2017

Hat keine Form und ist doch rund; ist flüssig, füllt aber eine. Steht im Dunkel, trägt ein Licht. Gleicht der Kunst – liegt im Zauber drin. Im Trost.

(ist vielleicht mystisch, weiss noch nicht genau.)

October 25, 2017

Alles geht vorbei, auch der Übergang. Er geht vorbei auch gegen das Bestreben, zu erhalten und wieder herzustellen. 

Demokratisierung war – und  ist – der Versuch, dem Monotheismus zu entkommen. Ging eigentlich daneben, und die Tendenz geht wieder in die Gegenrichtung. Auch und gerade im Profanen. Man will wieder Menschen anhimmeln, nicht länger oder nicht in erster Linie Ideen und Konzepte. Demokratie ist allerorten daran, sich selber überflüssig zu machen, wie ein Baugerüst halt. Wer hätte gedacht, dass das so schnell und gründlich gehen kann. Sancta Simplicitas!

Gebührt Beachtung hier eigentlich dem Holzgerüst, das helfen soll, den morschen Bau darin vor dem Einsturz zu bewahren? Oder ist das Gerüst nur die Hilfskonstruktion – für den Steinbau errichtet und dem Vergehen zugedacht?

Ist die Demokratie, der gefährdete Zusammenhalt, der Zweck für das Holzkonstrukt, oder ist sie selber das Holzkonstrukt, und der Monotheist/der Populist is...

October 24, 2017

"Nicht zum ersten Mal sehe ich, wie das Antlitz der Kunst die Gesichter lebendiger Menschen auslöscht."   Witold Gombrowicz

Er will damit sagen, dass das einzelne Betrachter-Gesicht konterkariert wird von Tausenden "Betrachtern" in der Masse, absolut gut sichtbar vor dem berühmten Gesicht der Mona Lisa im Louvre hinter der Abschrankung in grosser Distanz vom Meisterwerk.

Klar, sie folgen den Messingschildern und den Sternen im Reiseführer und sind Getriebene, das ist abstossend, wie WG schreibt. Aber man kann den Museumsbesuch auch anders angehen: Jene Betrachtenden suchen, die, ohne ihr Gesicht zeigen, die Sache mit dem Bild erhellen, ihm einen zusätzlichen Sinn vermitteln.

Das klingt wie und ist jetzt hier ein Werbespruch in eigener Sache, auf meinem Weg in der Suche nach einem Verlag in Sachen art'n'public.

Gesichtslos andersrum: Die Aufgeschnappten haben auf meinen Fotos auch keine Gesichter – oder kaum erkennbare. Hier bei Wolfgang Tillmans d...

October 19, 2017

Pause regt an, erst die Verdauung – dann die Vorstellung.

October 18, 2017

Ich mag sie, die Begegnung zwischen der versehrten Rollstuhlfahrerin und den toten Tieren. 

Dass ich sie mag, verschafft mir erst diesen Moment der Begegnung, und so wird das Unpassende meiner Worte passend. Finde ich. 

Ist das einfach Gerede? Das Foto rührt an der Erhabenheit des Augenblicks der Zwiesprache und zeigt einfach die Grösse des Augen-Blicks (alles geht vorbei, das Foto aber zeigt den angehaltenen Moment)?

October 16, 2017

"Schreiben ... heisst vor allem, sich selbst zu verlieren oder sein Selbst... so wie der Schnee im Schnee verschwindet, könnte man es sich vorstellen, oder wie irgend eine andere monochrome Fläche, auf der sich kein privilegierter Punkt findet, weder ein Vordergrund noch ein Hintergrund, keine Decke und kein Boden, nur überall das Gleiche.... Das Ich entsteht in der Sprache und ist Sprache. Aber die Sprache gehört nicht dem Ich, sie gehört allen."

Karl Ove Knausgard

An dieser Stelle kann ich (endlich) den Zitierten, K.O.K., und das lange Zitat verlassen. Es hat seinen katalysierenden Sinn erfüllt, ein Foto ins Spiel zu bringen und ihm eine spezifische Aussage zu suggerieren. 

Das Ich spiegelt – und schreibt! – sich auf der Welt, hier etwa auf dem fensterlosen Nachbargebäude. Es identifiziert sich darauf. Es ist die Reflexion der von Sonnenlicht beschienenen Fenster auf einer Wand, die – hier –eigentlich dem Schatten gehört. Das gespiegelte Licht  erh...

October 13, 2017

Arbeiten an der Hoffnung. Man könnte sie auch einen frommen Wunsch nennen. Sie lebt sprichwörtlich bis ans Ende – wo dann die Gescheitheit aufkreuzt.

Das mag jetzt hier ein Rätsel sein. Um aber das Glas und den Staub zu wischen und Transparenz zu schaffen – es basiert auf zwei Sprichwörtern: Am Ende stirbt die Hoffnung, dafür aber ist man klüger geworden, als man es zuvor war.

Kommt mit dieser Klärung wer schon klar, ist klug und vom Hoffen befreit? Das wARS. Wer nicht: RATet weiter, alles ist grad umgekehrt!

October 12, 2017

"Ein Stück Faden und eine Rasierklinge werfen – unter Umständen – den gleichen Schatten."

Rainer Stach


Ausgeweidet; nur was am Schloss hing, blieb, als "Fahrrad" erkenn- und verbal benennbar.

RAD, "nur" ein Wort? Rad meint das Ewige, das Drehen, die Bewegung, die Wiederkehr. Meint aber auch – als Fahrrad – das Gerät, an dem das Rad zur Fahrt durch die Wirklichkeit angemacht ist.

Hier fehlts, das "Rad" ist nur noch Idee. Sie dreht sich nicht und hat hier auch bloss eine "Speiche". Sie dient dazu, das Vehikel festzumachen. Angebunden ist aber hier kein Rad, kein Fahrrad, nur dessen letzte Spuren, das Ungestohlene. Der Rahmen, der alles zusammen hielt. 

Das Bild lässt etwas in mir drehen, ich gerate in Bewegung, mache mir Vorstellungen und bewege sie mit Worten. Ich kann das, selbst mitten in der Nacht und mitten in den Federn, gerade jetzt. Alles bewegt sich, und alles bleibt hängen – das ist es wohl, was mir hier...

October 10, 2017

"Es gibt nur wenige Wahrheiten im Leben". sagt ein alter Tenor, zitiert von Cees Nooteboom.

Ich kenne sie nicht alle, so wenige es auch sind. Ja, ich kenne überhaupt keine. Es gibt sie wohl gar nicht. Wahrheit hätte zu viele Seiten, sie liesse sich nicht fassen. 

Im Streben aber, eine zu finden und zu erkennen, treiben wir durchs Leben. Wir geben niemals auf und wollen sie finden, und wir möchten die Grösse haben, sie zu erkennen. So bauen wir Grösse auf, wie etwa hier auf Iceland Roni Horn einen Wald, eigentlich eine Kathedrale aus glasklaren Säulen, gefüllt mit diversen Gletscherwassern. Und mit deren Sedimenten, die sich in unterschiedlichen Buntheiten am Grund ablagern. In jedem Moment, in jeder Tages- und Jahreszeit zeigen sie im Licht des Augenblicks eine Wahrheit anders – niemals fassbar, immer flüchtig. Und doch immer da. Ein Spektakel eigentlich, ein stilles.

 Sedimente und Licht in Säulenfüssen.

October 8, 2017