November 28, 2019

Daibutsu, sitzender Buddha. Wurde 1252 erstellt und geriet in einem Tsunami 1492 ins Freie, weil der Tempel, in dem er stand, weggeschwemmt wurde. Die gigantische Bronze-Figur ist 13,35 m hoch und betretbar. Fenster im Rücken bieten Licht und frische Luft. 

Was mich indes draussen fesselte, war, im Betrachten einen Blickwinkel zu finden, in dem der Kopf hinter dem Rücken verschwindet. An dessen Stelle steht mittags das Strahlen .

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Hals, Ansicht innen – die Konstruktion.

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Sonnenhöchststand über Mittag. Unter der Krempe entkommt nur die Nase, den Rest flutet der Schatten. (Kamakura, Japan)

November 24, 2019

Wie gross darf Unschärfe werden, bis Bekanntes unerkennbar wird? Wie unscharf darf Unverkennbares sein? Das hier: ein befreundetes Gesicht, unscharf. Er liest diesen Blog – "Poesie der Momente – zur Erforschung der Sichtbarkeit" – im Abo und begegnet sich hier somit selber. Ein bewegter Mann, ein bewegender. Ich frage ihn hier, ob er sich erkennt. Kennst Du Dich seitlich? Kennst Dich unscharf bewegt, als unscharfer Wisch?

November 2, 2019

Hier kommt eine kleine Geschichte, die das unscharfe Bild zum Geschmier macht. Besser, umgekehrt: die dem Geschmier Form und Bedeutung verschafft. Geschmier ist ein schwierig einzusetzendes Wort, das einerseits genau das beschreibt, was es ist, nämlich das Ungewollte, Ungeformte. Das aber andererseits ebenso klar das meint, was am Anfang allen Formwillens steht und daher unabdingbar notwendig ist, will man nicht auf Geplantes, auf bereits Vorgegebenes (und demnach nicht explizit und spezifisch Erarbeitetes) greifen. Wenigen würde es wohl einfallen, zu betonen, dass am Anfang eines Leonardo-da-Vinci-Gemäldes unbeabsichtigtes, planloses "Geschmier" steht. Dennoch kann es genau da stehen, am Anfang. Die Grösse darin erkannte Leonardo selber, und er musste sie aus dem Geschmier heraus holen und sichtbar machen. („Achte diese Meinung nicht gering, in der ich dir rate, ... manchmal stehen zu bleiben und auf die Mauerflecken hinzusehen oder...

October 27, 2019

Rondine ist: die "Schwalbe". Noch besser wäre Rondo; dreht Runden wie die Schwalbe. Rondo. Runde.

Art unlimited ist: die Kunstwelt, ein geschlossener Zirkel, dreht sich im Kreis im Kreis.

Die Art Unlimited ist zwar lange vorüber, und doch ist sie noch da, sie dreht nur woanders paar Runden. Und kommt bald wieder. 

(The Sun – Kunstwerk von Ugo Rondinone. Nomen est omen?)

October 26, 2019

Wipfel und Wolken, im Glas gespiegelt. Und Berghütten-Vorhänge – Spitzen, die Zackenmuster zeigen, als meinten sie Berge; und auch Sterne hats drauf, gehäkelte, gezackt.

Landschaft also drinnen wie draussen, doch musste der Blick erst rein und sie finden: „Kein Dichter gibt einen fertigen Himmel; er stellt nur die Himmelsleiter auf von der schönen Erde.“ Josef von Eichendorff, "Ahnung und Gegenwart"

October 6, 2019

Sie haben manches, was sie brauchen, um wie Tempel auszusehen.

Und manches, um keine zu sein.

August 7, 2019

Kopf, ins Rüst-Brettchen gezeichnet vom heissen Topf – und von 1000 Hieben, Schnitten, Kerben. Da hatten Fleisch, Brot, Käse, Früchte und Gemüse dran zu glauben.

(Dran) Glauben macht selig, und selig sind die da Leid tragen.  (Johannes Brahms)

Ich glaube an die Vorstellung. Sie schafft das Bild.

July 24, 2019

Analogien und Differenzen in Kamakura. 

„Man muss sich zwischendurch ein Augenzwinkern gönnen, damit man die anderen Sachen, die ohne Zwinkern passieren, ertragen kann.“  Gerhard  Meier

Die Vorstellung hat man in der Hand. Die Wirkung nicht. 

May 30, 2019

Blick über die Lampe hinweg durchs Fenster aus dem Lokal mit Zunge-Spezialitäten in eine pulsierende Stadt: Rundungen, einfache und doppelte, bezogene und entkleidete, von vorne und von hinten, innen und von aussen, aussen und von innen.

May 23, 2019

Die Zeichen nicht lesen können, sie aber deuten wollen: Wenn der Text hier (auf der Schrifttafel in der Tempelanlage) nicht von Niederschlag oder von Vergänglichkeit redet, dann kann ich die Welt nicht recht begreifen. 

Tautologisch ist ein Begriff, der sich selber bezeichnet: „WORT“, „BUCHSTABEN“, „8 ZEICHEN“, „DUCHRIENADNER“, "SCHWARZ AUF WEISS“, „ROT", … In diesem Sinne vermute ich die Tafel hier (im Kloster in Uji) als tautologisch: Der Regen hat die Schriftzeichen teils unleserlich gemacht, und die unleserliche Schrift bezeichnete dann eben die Auswirkungen von Regen, das Verwischen und Auslöschen. So wie das Gedicht „Il pleut“ von Apollinaire optisch erkennbar vom Regen redet.