December 6, 2019

... rundet, Welt mundet.

November 28, 2019

Daibutsu, sitzender Buddha. Wurde 1252 erstellt und geriet in einem Tsunami 1492 ins Freie, weil der Tempel, in dem er stand, weggeschwemmt wurde. Die gigantische Bronze-Figur ist 13,35 m hoch und betretbar. Fenster im Rücken bieten Licht und frische Luft. 

Was mich indes draussen fesselte, war, im Betrachten einen Blickwinkel zu finden, in dem der Kopf hinter dem Rücken verschwindet. An dessen Stelle steht mittags das Strahlen .

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Hals, Ansicht innen – die Konstruktion.

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Sonnenhöchststand über Mittag. Unter der Krempe entkommt nur die Nase, den Rest flutet der Schatten. (Kamakura, Japan)

September 22, 2019

Kühle Morgenluft mag prickeln. Der gurrenden Taube will die Frische ins Gefieder, aber da ruht schon der warme Flaum, in dem sie den Klang ihres Lebens in die Welt bringt. Wolkenballen ziehen über die Krone des so schweren wie leichten Baumes. Laub raschelt nicht, es verschweigt. Ich niese hinein in die Frische. Die Kirchenglocke will nicht von Frömmigkeit künden, aber Leute versammeln. Menschen unter ein Dach bringen. Auf die Wand am Nachbarhaus zeichnet sich ein Sonnenstrahl, aber die Kirche stelle ich mir leer vor. Auch der Lichtstrahl hat sich gleich wieder verabschiedet, die Wolkendecke schliesst sich, die Wand erlischt, die Erleuchtung war ein Zwinkern. Fensterläden gehen auf, ich winke einer alten Frau zu, deren Tag die Augen aufschlägt, sie winkt auch.

Zu. Auf. Eine Schwalbe flattert. Eine Schwalbe segelt. Eine Schwalbe steht nicht still. Rote Beeren fangen an, in voller Reife zu Boden zu gehen. Ich hole ein leeres Becken, um...

September 18, 2019

Es gab in den Bergen den Morgen, an dem die Sonne hinter dem Bergrücken aufkam und in das Glas der Cristallina-Hütte brach – morning has broken. Der Augenblick, in dem die schöne Natur sich im Menschlichen spiegelt. Im gesplitterten Glas fangen sich die frühen Lichtstrahlen, und es zeigt sich die Power des Moments. Cristal-Moment, strahlend.

August 29, 2019

 Tiger von Rosetsu – vom Abendlicht gestreift. 

August 25, 2019

Seine Aeste fangen ganz oben die Sonne ein, schon als er noch im Zwielicht steht. Ich nenne das Grün mal satt, ohne eigentlich zu wissen, ob er sich neulich verpflegte, der Gigant. Dürstet er? Ich nehme an, er tut es ohne Unterlass. Unten, irgendwo, ist sein Gaumen, und voll und stark ist sein Speiserohr. Das System ist eine Macht.

Zwei Spatzen pfeilen vom Dachrand hinauf ins Licht, fangen es ein, sehen elektrisch aus, verlieren es wieder. Dass Spatzen so scharf fliegen können, wo sie doch so gewöhnlich wirken und pfeifen. Eben, gewöhnlich hat halt viele Gesichter. Und viele Kleider.

Es kommen mir Geräusche ans Ohr, die kann ich nicht erklären. Sie beflügeln die Phantasie. Nun ist also auch sie unterwegs, sie befiedert den selben Spielraum wie die Spatzen, die Phantasie. Wir nennen ihn Himmel, aber wir wissen gar nicht, ob er es ist.

Federnde Schwalben überholen spielend einen Jet, der ganz unbeirrt sein Ziel anfliegt. Er ist hier vielleicht...

August 2, 2019

Ich sitze am Pool und schiesse ein Bild vom Vordach. Es spiegelt sich im Wasser. Im Weichmacher. Morgens im glatten Wasser liegt es flach und schön.

In genau der Sekunde beginnt die Poolreinigung. Der Motor kommt in Gang. Eine erste Welle nimmt Schwung auf. Der Kubus zerfleddert.

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Ich liebe Reflexionen und optische Wechselspiele, daher wohl war ich empfänglich für diesen Spektakel. 

"Die Gewöhnlichkeit ist nie gekonnt und nie brillant, sondern eben gewöhnlich. ... Es ist etwas Paradoxes, dass gerade ein Kunstwerk, um dieses grosse Wort in den Mund zu nehmen, letztlich das Gewöhnliche selber ist." 

So sagt es Gerhard Meier, der sich da allerbestens auskennt. 

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Ich spaziere unfokussiert durch Gegenden, verträumt wohl – es sei denn, ich habe mir einen Ruck gegeben und beschlossen, auf die Realität(en) um mich herum besonders zu achten. Dann können fotogene Momente kommen, und manchmal kommen sie auch, kommen aus dem Gewöhnlichen und ragen ins...

July 27, 2019

Fasst mich. Erfasst mich. (Becken, Schmutzwasser, Japan.)

June 19, 2019

Mein Schatten auf dem Baum. Mich in der Krone zu finden, liess mich (er)starren. Nur der Zeigefinger ging noch – auf den Auslöser.

Augenblick auf Naoshima. Grosser Moment vor dem aufziehenden Nachthimmel. Krönung.

May 17, 2019

Der Lichtwurf zieht über mich hin, einem Rückgrat gleich; Sonnenlicht, von einem Garage-Dachfenster an die Atelier-Decke reflektiert, durch Jalousien rhythmisch gegliedert. Die Aussenwelt in der Innenwelt. Inspirierender Moment, der wohl mein altes Atelier immer wieder mal durchlief, das ich aber einmal nur sah. Ein einziges Mal.

Ich fing es ein, es fing mich ein.