November 24, 2019

Wie gross darf Unschärfe werden, bis Bekanntes unerkennbar wird? Wie unscharf darf Unverkennbares sein? Das hier: ein befreundetes Gesicht, unscharf. Er liest diesen Blog – "Poesie der Momente – zur Erforschung der Sichtbarkeit" – im Abo und begegnet sich hier somit selber. Ein bewegter Mann, ein bewegender. Ich frage ihn hier, ob er sich erkennt. Kennst Du Dich seitlich? Kennst Dich unscharf bewegt, als unscharfer Wisch?

November 4, 2019

In Japan war alles Blühen: an den Zweigen, das Kunstwerk auf den Knien der Malerin, in der Pfütze das Gespiegelte und – last, not least – die gefallenen Blättchen im Frühling.

Ein halbes Jahr später ist heute die Belaubung dran.

October 31, 2019

Was fliesst, formt. 

(Selfie am Urinal in der Kunsthalle Bern)

Wer hat hier, im Pissoir in Berns Kunsthalle, nicht schon gepinkelt ... namhafte Künstler, bedeutende Kuratoren, wichtige Sammler; alle haben sie sich gespiegelt in der Spülwasserleitung. Frauen: keine. Nicht nur die Grösse mass sich am Geschlecht ...

Und doch gab es sie, und auch sie haben ihre Reliquien und Fetische:

"„... das heisst sie hat als neunjähriges Mädchen genau diese Tasten berührt; das finde ich berührend. Und es ist genau der Flügel, der auf dem Hundertmarkschein abgebildet war auf der Rückseite.“   Aus einem Film über Clara Schumann

July 27, 2019

Fasst mich. Erfasst mich. (Becken, Schmutzwasser, Japan.)

July 24, 2019

Analogien und Differenzen in Kamakura. 

„Man muss sich zwischendurch ein Augenzwinkern gönnen, damit man die anderen Sachen, die ohne Zwinkern passieren, ertragen kann.“  Gerhard  Meier

Die Vorstellung hat man in der Hand. Die Wirkung nicht. 

June 19, 2019

Mein Schatten auf dem Baum. Mich in der Krone zu finden, liess mich (er)starren. Nur der Zeigefinger ging noch – auf den Auslöser.

Augenblick auf Naoshima. Grosser Moment vor dem aufziehenden Nachthimmel. Krönung.

January 29, 2019

"Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füsse."  Robert Walser

... um seine Spur mit aufzunehmen. Das Bild ist vom Friedhof, an dem Abend, als Mutter starb – die Sonne stand tief, ein Schatten verdoppelte und betonte im Sand jede der vergänglichen Spuren von Schritten durchs Leben. (Und Bilder sind auch Spuren, gerade Bilder von Spuren.)

(Konnte mich hier nicht entscheiden, ob ich mit aufs Bild will; das Bild mit meinen Füssen zeigt ja nicht mein Gehen, sondern mein Innehalten. Und klar, Robert Walser meinte was anderes: Wer geht, kommt weiter. Gerade daher blieb ich wohl am Sterben stehen.)

January 6, 2019

Was ist in diesem Bild meine Rolle? Ich sah es, und ich fand es stark – starkes Licht, starke Schatten, starke Kontraste. Starkes Thema: Zusammen auf ner Sitzbank.

Bin ich Teil des Bildes, bin ich hier auch Schatten? Nein, ich bleibe draussen. Bin Chronist.

Draussen bleiben beim Bäcker:

Und noch eins. Draussen bleiben – und drin sein zugleich:

November 4, 2018

Der Bauer drückt an Eutern. Der Maler an Farbtuben (und an sich selber). Die Besucherin am Display. Und dabei könnte die Rede sein von Dicke und Fülle. Aber darf man das heute noch so direkt ins Wort fassen? Ich müsste, das so tuend, wohl darauf verzichten, meine Notizen immer sogleich zu veröffentlichen. Sie bei mir behalten. Andererseits aber: Wäre dann mein Antrieb, sie zu verfassen, genügend dick? Ich brauche Lesende, eine/n zumindest. Wo ich Lesende vermute, da drängt es mich, ihnen was richtig anzubieten, da will ich mich ausdrücken. Da möchte ich einen Bogen machen vom Motiv der Betrachtung zum Subjekt (das ich selber bin). 

Und wo mir der Bogen gelang, da  rundet sich alles.