November 16, 2019

Erster Schnee, in Farben festgehalten. Farben. Das Bild ist eine Augenweide: Flüchtiges, in Dauer gewandelt. (Wie Kunst, irgendwie.) 

Wenns auch Kälte zeigt: "Verweile doch, du bist so schön." JWvGoethe  

Darf nicht bleiben, muss vergehen. Soll nicht kleben, kann verwehen. Es kommt. Es bleibt. Es geht.

Das Leben. 

November 2, 2019

Hier kommt eine kleine Geschichte, die das unscharfe Bild zum Geschmier macht. Besser, umgekehrt: die dem Geschmier Form und Bedeutung verschafft. Geschmier ist ein schwierig einzusetzendes Wort, das einerseits genau das beschreibt, was es ist, nämlich das Ungewollte, Ungeformte. Das aber andererseits ebenso klar das meint, was am Anfang allen Formwillens steht und daher unabdingbar notwendig ist, will man nicht auf Geplantes, auf bereits Vorgegebenes (und demnach nicht explizit und spezifisch Erarbeitetes) greifen. Wenigen würde es wohl einfallen, zu betonen, dass am Anfang eines Leonardo-da-Vinci-Gemäldes unbeabsichtigtes, planloses "Geschmier" steht. Dennoch kann es genau da stehen, am Anfang. Die Grösse darin erkannte Leonardo selber, und er musste sie aus dem Geschmier heraus holen und sichtbar machen. („Achte diese Meinung nicht gering, in der ich dir rate, ... manchmal stehen zu bleiben und auf die Mauerflecken hinzusehen oder...

September 20, 2019

Flüchtiger Augenblick, in Dauer gewandelt, Kunst.

Hält nicht an, hält fest, Künstler.

(Impression mit versinkender Sonne in Japan, dem Land der aufgehenden Sonne. Braucht das Bild Farbe? Braucht Farbe das Bild? Braucht der Moment die Analogien mit dem Kunstwerk – von Shinro Ohtaku, auf Naoshima – mit den Lochungen, in denen drin ich die Sonne auch hätte einfangen können, mit einem einzigen kleinen Schritt nach rechts? Braucht das Kunstwerk den Moment? Braucht der Moment das Kunstwerk?) 

August 22, 2019

Man kann es auch Zufall nennen: Im richtigen Augenblick durchs Zugfenster schauen und abdrücken – und auch noch den Schuppen im Bild haben, der die Form des Mount Fuji perfekt verdoppelt, ohne ihn zu verdecken. 

«Das Denken sollte vorher oder nachher stattfinden, niemals jedoch unmittelbar während dem Fotografieren.» Henri Cartier-Bresson beschrieb den Fotografen als Zen-Bogenschützen – der selber zum Ziel werden müsse, wolle er treffen. Das Denken hilft allenfalls, den Augenblick zu verpassen. Dann wäre das Meeting Berg+Schuppen verflogen, ohne im Album seinen Platz zu finden.

René Burri: „Bilder sind wie Taxis zur Hauptverkehrszeit – wenn man nicht schnell genug ist, bekommt sie immer ein anderer.“  

Am Bahnsteig, vor Abfahrt, war es noch beschaulich gewesen: Das Bild des japanischen Wahrzeichens schien zu vertrösten: Reisender, der Du den Anblick bei der Durchfahrt mit 300 kmh wohl verpassen wirst, schau hin, nimm...

August 16, 2019

Draussen sank die Kugel in ein Kissen aus Dunst. Ich hatte nur abzuwarten, bis sie das anschwellende Wasserspiel traf und darauf gar zu balancieren schien. Dann tippen, abdrücken: auslösen und anhalten, beides. 

Dass ein Wassertropfen auch noch grad genau die Scheibe in der Mitte trifft, und dass die Szenerie gespiegelt scheint, ohne es zu sein: Volltreffer, topp.

Soweit die Legende zum Bild.

(Aufs Land der aufgehenden Sonne sinken; vor dem National Art Museum in Kyoto)

June 27, 2019

By night.

By day. 

Kirschblüte in Tokyo.

March 12, 2019

Das Alte, das stark ist, verdirbt nicht. J. R. R. Tolkien

Schön wärs. 


Holz in allen Stadien: als junger Spross, kräftiger Stamm, Hackklotz.

Als Axtgriff, Sägemehl, Scheiterhaufen, Zaunpfahl, Holzstapel.

Irgendwie kannibalistisch. Total verdorben. 

Worte sind eben Schall und Rauch(J.W. Goethe), auch die von Tolkien.

Und Stärke ist es sichtbar auch (auch wenn Russ in der Aufzählung fehlt).

October 9, 2018

​Preisgekröntes Foto (von Rolf Neeser, ausgestellt im Kornhaus Bern, im Leuchtkasten vor verhängtem Fenster) mit einem alten Paar, durch Fenster schauend. Blicke durch Fenster – Rückblicke ins gelebte Leben? 

„Die Zeiten ändern sich. Und wir ändern uns in ihnen.“

Ändern sich, aber bleiben.

Noch einmal Gerhard Meier: 

...

und an den Häusern

leckt die Zeit

und bleibt

...

Und Menschen sind auch Häuser. Hier das selbe preisgekrönte Bild, so gezeigt im Landesmuseum Zürich: Vor dem Bullauge, dem Fenster am Haus, liegt auf dem Gras ein junges Paar – es scheint da das Geschaute, quasi als Rückblick, zu liegen ... Vergangenheit als Gegenwart. 

August 9, 2018

Unter dem Haken hinter dem abgehängten Bild im bald verlassenen Haus zeigt sich kein Heim, das macht bloss den Anschein, macht ihn aus Staub und Spinnweben. Ist halt wohl ein Omen.

Alles vergeht. Etwas bleibt. Ist kein Widerspruch...