Filip Haag - IMPROVISATION. Zur Rolle von Zufall und Absicht

 

Ich will immer wieder gute Bilder machen in fast allen Techniken. Gut heisst: Das Bild muss Tiefe haben und den Betrachter packen und anregen - das Sujet spielt dabei zwar durchaus eine Rolle, aber nicht die erste Geige. Ich male klassische Themen wie Landschaft, Figur, Porträt; die können auch deformiert und offen sein und also schwer erkennbar. 

Bei der Produktion ist der Zufall im Spiel, aber das ist nicht die eigentliche Sache. Eigentliche Sache ist die Improvisation, das Ungeplante. Und darauf kommt es an: Das Momentum erkennen und am Schopf packen können. Tage-, wochenlang an einem Strich arbeiten - und dann den Punkt erkennen, der alles klärt. Den Epifanie-Moment - Du kennst ihn auch: alles passt. Bekanntes und Altes wird neu gesehen. Wegen diesen Momenten nehme ich das alles auf mich und an. 

Die Improvisation ist quasi das Gerüst, an dem das Werk hochgezogen werden kann. Ich habe in der Improvisation Striche, Partien, ganze Bilder geschafft, welche Würfe sind, die aber planmässig beim besten Willen und mit der totalen Übung nicht hinzukriegen wären. So auch jetzt grad wieder - das solltest Du sehen. 

 

Ginge es darum, mit Rezepten zu kochen und Geglücktes zu wiederholen - klar dann, her mit den Rezepten. Aber in der Wiederholung fehlt das Abenteuer, sie lässt mich eher unbeteiligt. Die Malerei muss in immer neue Gegenden reiten - daher muss ich auch alle Medien berücksichtigen - und bin drauf und dran, mir auch das Aquarell bald vorzunehmen.  

 

Die diversen Techniken befruchten sich gegenseitig. Sie stehen sich nicht im Weg, sondern sind sich Tritt- oder Sprungbrett. Die Perfektionierung liegt nicht in der Beschränkung, sondern im Verweben. 8.3.2016, NYC

 

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