Es kommt, es bleibt, es geht

Ein Zufall ist wohl keiner mehr, sobald aus einer unerwarteten Begegnung Sinn erwächst.

Wo eine Begegnung einen Effekt hat und nicht ins Leere läuft. Wo zwei Menschen sich finden, die sich nicht kannten. Wo ein Strich da landet, wo er nicht geplant wurde und doch passt, da überwindet er das Zufällige und kann als schicksalhaft benannt werden. "Es könnte auch ganz anders sein" wird zu "es sollte wohl so und nicht anders kommen".

Wird das Schicksal aber gelenkt? Ja, aber von keinem Kreator, sondern von der Wahrnehmung. Wird eine Begegnung "erlebt", so wird sie aus dem Zufall erhöht. Zum Schicksal eben.

Ich höre hier neue Töne von mir. Bisher schon war ich immer ein Vertreter und Verfechter des Zufälligen; ich umforme es jetzt aber neu. Es kriegt zwar nicht grad die Bedeutung des "Es konnte gar nicht anders kommen", aber es wird zum "es ist oder es war passend, es so aufzunehmen".

An der Strassenecke spielt ein Trupp auf. Instrumente und Bewegungen, Rhythmus und Schwung. Lautstärke. Ich nehme meine Kamera, das Unerwartete wird mir bedeutend. Passanten eilen durchs Bild - womöglich kennen sie solches zur Genüge, es langweilt sie oder aber sie finden es lästig. Einer aber nimmt ebenso wie ich die Handy-Kamera zur Hand (wie schnell doch mit diesen Geräten immer eine Entscheidung zum Resultat führt) und schwingt sich durchs Bild. Er zeichnet eine bewegte Linie. Und fast beeinflusst er das Geschehen an den Tanzfront. Fast. Mit seinem Tun wirkt er mit. Ist das zufällig und unbedeutend? Nein. Mein Filmchen, das dokumentiert, nicht mitspielt, gewinnt dank diesem Mitspieler an Effekt. Ich bin in seinem Filmchen, in dem er mich wohl ganz kurz mit erfasste, unbedeutend, er ist es in meinem nicht. Er hat sich aus dem Zufälligen heraus bewegt.

Der Moment ist rasch zerflossen, die Agierenden wie die Betrachtenden befinden sich schon wieder woanders, der Zufall aber hat hier eine kleine Spur hinterlassen und ist keiner mehr, er hat zwar nichts Zwingendes erhalten, wohl aber Sinn. Wenn auch nicht grad etwas grossartig Bedeutendes, so doch Bemerktes.

Und mich hat hier beim Schreiben ein Thema ergriffen und gepackt, das ich dann verbal auch zu ergreifen vermochte. Und zu entpacken.

Rasch löst sich alles wieder auf, es verschwindet im Leben, in allen Richtungen - mal sehen, was davon bleibt. So ist das Leben, ich geniesse es, ihm hier nachgehen zu können.

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