Streifungen

Tiger von Rosetsu – vom Abendlicht gestreift.

Steigen + Sinken, Schauen + Sehen, Hören + Verstehen

Seine Aeste fangen ganz oben die Sonne ein, schon als er noch im Zwielicht steht. Ich nenne das Grün mal satt, ohne eigentlich zu wissen, ob er sich neulich verpflegte, der Gigant. Dürstet er? Ich nehme an, er tut es ohne Unterlass. Unten, irgendwo, ist sein Gaumen, und voll und stark ist sein Speiserohr. Das System ist eine Macht. Zwei Spatzen pfeilen vom Dachrand hinauf ins Licht, fangen es ein, sehen elektrisch aus, verlieren es wieder. Dass Spatzen so scharf fliegen können, wo sie doch so gewöhnlich wirken und pfeifen. Eben, gewöhnlich hat halt viele Gesichter. Und viele Kleider. Es kommen mir Geräusche ans Ohr, die kann ich nicht erklären. Sie beflügeln die Phantasie. Nun ist also auch

Denken folgt

Man kann es auch Zufall nennen: Im richtigen Augenblick durchs Zugfenster schauen und abdrücken – und auch noch den Schuppen im Bild haben, der die Form des Mount Fuji perfekt verdoppelt, ohne ihn zu verdecken. «Das Denken sollte vorher oder nachher stattfinden, niemals jedoch unmittelbar während dem Fotografieren.» Henri Cartier-Bresson beschrieb den Fotografen als Zen-Bogenschützen – der selber zum Ziel werden müsse, wolle er treffen. Das Denken hilft allenfalls, den Augenblick zu verpassen. Dann wäre das Meeting Berg+Schuppen verflogen, ohne im Album seinen Platz zu finden. René Burri: „Bilder sind wie Taxis zur Hauptverkehrszeit – wenn man nicht schnell genug ist, bekommt sie immer ein a

Passt.

​Gleichschritt vor dem Louise-Bourgeois-Spinnenbein in Tokyo. Passt genau.

Tipp&Topp.

Draussen sank die Kugel in ein Kissen aus Dunst. Ich hatte nur abzuwarten, bis sie das anschwellende Wasserspiel traf und darauf gar zu balancieren schien. Dann tippen, abdrücken: auslösen und anhalten, beides. Dass ein Wassertropfen auch noch grad genau die Scheibe in der Mitte trifft, und dass die Szenerie gespiegelt scheint, ohne es zu sein: Volltreffer, topp. Soweit die Legende zum Bild. (Aufs Land der aufgehenden Sonne sinken; vor dem National Art Museum in Kyoto)

Leere:

Wenn ich ansetze, hier etwas über Leere zu sagen, schwindet sie. Ich möchte die Worte gleich wieder entfernen, aber dann bleibt Leere unverstanden. Leer. Ist das so? Würde Leere, wo ich sie erkläre, erklärt? Wird sie mit Worten voll? Wird sie Fülle? Oder eben nicht? Und was, wenn ich dazu leere Worte nähme (solche gibts)? Ist volle Leere wirklich leer, oder ists nur leere Leere? Ich fange noch einmal an, mit einem Bild, das die Leere (nicht) zeigt. ********************************************************************* Leere:

In der Schwäche liegt die Kraft

Kopf, ins Rüst-Brettchen gezeichnet vom heissen Topf – und von 1000 Hieben, Schnitten, Kerben. Da hatten Fleisch, Brot, Käse, Früchte und Gemüse dran zu glauben. (Dran) Glauben macht selig, und selig sind die da Leid tragen. (Johannes Brahms) Ich glaube an die Vorstellung. Sie schafft das Bild.

Ruhe und Aufruhr

Ich sitze am Pool und schiesse ein Bild vom Vordach. Es spiegelt sich im Wasser. Im Weichmacher. Morgens im glatten Wasser liegt es flach und schön. In genau der Sekunde beginnt die Poolreinigung. Der Motor kommt in Gang. Eine erste Welle nimmt Schwung auf. Der Kubus zerfleddert. *** Ich liebe Reflexionen und optische Wechselspiele, daher wohl war ich empfänglich für diesen Spektakel. "Die Gewöhnlichkeit ist nie gekonnt und nie brillant, sondern eben gewöhnlich. ... Es ist etwas Paradoxes, dass gerade ein Kunstwerk, um dieses grosse Wort in den Mund zu nehmen, letztlich das Gewöhnliche selber ist." So sagt es Gerhard Meier, der sich da allerbestens auskennt. *** Ich spaziere unfokussiert dur

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