Vom Schatten


Der Schatten gründet in uns. Er haftet uns an, mal vorn, mal hinten. Mal kurz, mal lang. Er geht von uns weg und bleibt uns doch eng verbunden. Er verlässt uns nicht. Er ist immer ausser uns, aber wir sind unzertrennlich. Er wird nie erwachsen – oder höchstens in dem Masse, wie wir es selber werden. Der Schatten ist flach und hat kaum eine eigene Farbe, nur Grau. Er hat kein Licht, braucht aber eins, sonst erlischt er ebenso. Er besetzt keinen Raum, er schmiegt sich ihm an.

Der Schatten ist unser Lebenswerk, das uns nicht mal Aufwand bereitet(e), das uns aber keiner wegnehmen kann, höchstens der Schatten selber, ein Dunkel.

In gewisser Weise spiegelt uns der Schatten – ohne aber Spiegelbild zu sein, denn er spiegelt uns ja nicht. Er ist nicht seitenverkehrt, er ist analog (Das Spiegelbild wird einen eigenen Blog erhalten, ich habe auch schon ein Bild dazu).

Den Schatten bekämpfen hiesse, ihm die Chance zu geben, sich zu wehren und zu bestehen – er verdoppelt ja den Kampf, ohne dabei Zeit zu verlieren. Wenn wir den Kampf gegen den Schatten verlieren, gewinnt er ihn. Und wenn wir ihn gewinnen, gewinnt er mit uns.

Und doch ist unser Leben manchmal (und manchmal immer) ein Kampf mit dem Schatten. Mit dem Schatten bedeutet gegen den Schatten. Gegen das Dunkle. Das Verdrängte. Das vergangen Geglaubte. Das, was wir niemals loswerden. Das Flache. Das Graue, das Grauen. Unser Gegenüber, das uns spiegelt, Verdoppelt.

Über den Schatten springen ist alles. Wir schaffen es manchmal, aber nie auf der Dauer, denn er kommt eben immer wieder. Da ist nichts zu machen – aber aufgeben sollten wir nicht. Wie Sisyphus. (Wirft eigentlich Sisyphus auch einen Schatten? Ja, klar. Absurde Frage.)

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