Potenzierung und Ataraxie am Nebentisch

"Ich wollte nie an den Haupttisch, dort kann man nicht beobachten – dort wird man beobachtet."

Robert Gernhardt

Ich suche beim Gang durchs Museum mit der kleinen Kamera nicht einfach die grosse Idee, von einer Aphrodite etwa verkörpert oder von Leonardos Mona Lisa. Und nicht das Pathos der Kultur, sondern das, was sie im Leben verankert. Das Kunstwerk ist Raffinement, es stellt eine Haltung, einen Form- und Stilwillen auf eine hohe Stufe. Aber diese hohe Stufe mit dem Leben verknüpft zu finden und diese Verknüpfung auch in der passenden Sekunde in einem Abbild zu repräsentieren: Das ist mir die höchste Form: das Hohe und das Tiefe, das Ewige und den Moment vereint zu finden: Epifanie, Ruhe der Begeisterung.

So auch hier, bei Rousseau: Nicht genug, dass der fremdländische Betrachter mit seiner langen Mähne ausgerechnet vor der Sofadame mit der ähnlichen Haarpracht regelrecht verharrte – es stellte sich, kaum war ich mit meiner Aufnahme zufrieden, eine weitere Betrachterin ein, die einer Freundin in einem Armschwung das Bild erklärte und damit die Verdoppelung noch einmal verdoppelte. Das ist die Potenzierung, die mir Ataraxie verschafft – Seelenruhe. Am Nebentisch.

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